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Fahrradunfälle – die aktuelle Verkehrsunfallstatistik

Das Fahrradfahren hat in den letzten Jahren einen echten Boom erlebt. Besonders in der Corona-Krise steigen immer mehr Menschen in Deutschland aufs Fahrrad oder E-Bike um. Dieser positive Trend hat jedoch auch eine Schattenseite: Die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2020 liegt vor (wird jeweils Mitte des darauffolgenden Jahres veröffentlicht) und zeigt, was die häufigsten Unfälle mit dem Fahrrad sind.

Unfall mit dem Fahrrad – Zahlen für 2020

Über 2 Millionen Verkehrsunfälle erfasste das Statistische Bundesamt für das Jahr 2020, etwa 400.000 weniger als im Vorjahr. Während der Straßenverkehr im Laufe der letzten 40 Jahre kontinuierlich sicherer wurde, sind im Jahr 2020 besonders die Zahlen der Fahrradunfälle gestiegen.
Hintergrund dafür ist sicherlich die gestiegenen Zahlen der Fahrradnutzer: An einigen Tagen im Jahr 2020 löste das Fahrrad sogar das Auto als beliebtestes Transportmittel ab.

Überblick zu den Unfallzahlen 2020

Insgesamt wurden für das Jahr 2020 91.533 Fahrradunfälle mit Personenschaden gemeldet, ein Plus von 5,6% im Gegensatz zum Vorjahr. Darunter fallen laut Statistischem Bundesamt leicht und -schwerverletzte Personen sowie Verkehrstote.
Tödliche Fahrradunfälle sind dabei zum Glück auch 2020 weiter zurückgegangen – ein Minus von 4,3%. Dennoch kamen im Jahr 426 Personen bei einem Fahrradunfall ums Leben.
Besonders interessant ist ein Blick auf die Schuldfrage: In 49,4% der Fälle waren die Fahrradfahrer selbst Hauptverursacher der Unfälle.

Dunkelziffer bei Fahrradunfällen

Besonders Fahrradunfälle weisen eine hohe Dunkelziffer auf, d.h. nur ein geringer Teil der tatsächlichen Unfälle werden auch amtlich bzw. statistisch erfasst. Dies gilt besonders für sogenannte Eigenunfälle: Wer mit dem Fahrrad stürzt und sich dabei eine leichte Verletzung zuzieht, wird nur in den seltensten Fällen von der Statistik erfasst werden. Experten gehen davon aus, dass nur etwa 1% der tatsächlichen Eigenunfälle erfasst werden.
Es gibt eine hohe Dunkelziffer bei Fahrradunfällen in der Verkehrsstatistik
Doch auch bei Unfällen im Straßenverkehr mit anderen Beteiligten gehen Forscher von einer hohen Dunkelziffer aus. Eine detaillierte Forschung wurde zuletzt 1993 veröffentlicht – damals gingen die Statistiker davon aus, dass 97% der Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern sowie 82% der Unfälle zwischen Radfahrern und Autofahrern nicht gemeldet wurden.

Häufigste Unfallarten – Fahrrad Verkehrsunfallstatistik 2020

Während die Anzahl der Unfälle eine Auskunft darüber geben kann, wie viele Radfahrer jedes Jahr in Deutschland verunglücken, ist insbesondere der Blick auf die Unfallhergänge und -besonderheiten lohnenswert. Wir haben die Daten des Statistischen Bundesamtes aufbereitet und stellen euch die wichtigsten Fakten zum Unfall mit dem Fahrrad vor.

Wo passieren Fahrradunfälle am häufigsten?

Fahrradunfälle passieren laut Verkehrsstatistik auf Landstraßen und in der Natur deutlich seltener
Ein Ausflug ins Grüne ist der Inbegriff der Fahrradtour – und die sicherste Art, mit dem Rad unterwegs zu sein. 80.399 der insgesamt 91.533 Verletzten wurden innerhalb geschlossener Ortschaften in den Unfall verwickelt, nur 11.874 Unfälle passierten auf Landstraßen oder in der Natur.

Was ist die häufigste Unfallursache?

Anteil von Eigenverschulden bei Fahrradunfällen in der Verkehrsstatistik
Lässt man die bereits erwähnte Dunkelziffer aus der Betrachtung heraus, geht das Statistische Bundesamt davon aus, dass unter den insgesamt 91.533 Unfällen 25.883 sogenannte Eigenunfälle waren. Dazu gehören Unfälle durch technischen Defekt, Hindernisse und Fahrfehler.
Anzahl der Fahrradunfälle in Verbindung mit anderen Verkehrsteilnehmern wie Autos und LKWs
In 63.159 Fällen kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Fahrradfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern. Während es insgesamt 45.388 dokumentierte Fälle gibt, in denen PKWs und Fahrräder kollidierten, verunfallten immerhin 2807 Fahrradfahrer mit einem Güterfahrzeug (LKW und andere).
Viele Radunfälle passieren bei Abbiegevorgängen
Besondere Bedeutung kommt bei den Unfällen mit PKW den Vorfahrts- und Abbiegevorgängen zu. Insbesondere im innerstädtischen Verkehr sind diese Fahrmanöver besonders gefahrengeneigt.

Die Schuldfrage – Welches Fehlverhalten war besonders häufig Unfallursache?

Autofahrer gegen Radfahrer – besonders in großen Städten scheint es einen wahren Kampf und das Vorrecht auf den Straßen zu geben. Sieht man von strukturellen Problemen, wie dem Fehlen von Radwegen einmal ab, müssen wir Radfahrer uns aber durchaus an unsere eigene Nase fassen: Bei den 91.533 Unfällen mit Verletzten trugen 65.329 Radfahrer zumindest eine Teilschuld wegen eigenem Fehlverhalten. Das ist ein deutlicher Anstieg von über 10% zum Vorjahr!
Häufige Ursachen von Fahrradunfällen mit Eigenverschulden der Radfahrer
Als häufigstes Fehlverhalten wurde dabei falsche Straßenbenutzung (10.904), Abbiegen (5.296) und das Missachten der Vorfahrt (4.834) erfasst, unter Alkoholeinfluss standen 4.654 Personen.

Sonderfall E-Bike

Die meisten Unfälle bei E-Bikes passieren aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit
Das E-Bikes immer beliebter werden, zeit auch die Statistik zum Fehlverhalten der Unfallbeteiligten. Bei 10.904 verunfallten Radfahrern lautet der Vorwurf „Nicht angepasste Geschwindigkeit“.

Fahrrad Unfallstatistik – Hinter den Kulissen

Fahrradfahrer leben, besonders in der Stadt, gefährlich. Wer sich jedoch nach der Ursache für viele der aufgenommenen Unfälle mit Verletzten und sogar tödlich Verunglückten fragt, muss tiefer in die Materien einsteigen.
So kann insbesondere der häufig gemachte Vorwurf der „falschen Straßenbenutzung“ in vielen Fällen mit den strukturellen Problemen begründet werden, mit denen wir Fahrradfahrer tagtäglich zu kämpfen haben: Fehlende oder von PKW zugeparkte Fahrradwege, undeutliche oder nicht vorhandene Ampeln für Radfahrer und eine ungeheure Kraftfahrzeugdichte in den Innenstädten beeinflussen die Zahlen ungemein.
Fahrradunfälle in der Verkehrsstatistik lassen sich nur mehr Fahrradfahrer vermeiden
So kommt eine Studie in den USA zum Schluss, dass bei Verdreifachung der Radfahrer ein Rückgang der Unfälle um 50% zu erwarten wäre. Auch der Anstieg der verkauften E-Bikes am Gesamtmarkt hat einen Einfluss auf die Anzahl der schweren Unfälle: Viele Personen, die sich früher nicht mehr oder nicht mehr in der entsprechenden Geschwindigkeit, am Straßenverkehr beteiligt hätten, sind nun in der Lage, Fahrrad zu fahren. Oftmals werden die Gefahren und notwendigen Reaktionszeiten unterschätzt – mit dramatischen Folgen. Ein Anstieg von 19,1% der getöteten E-Biker ist besorgniserregend und sollte dringend systemisch angegangen werden.
Vorschläge reichen von „E-Bike-Führerscheinen“ über spezielle Fahrtrainings und vieles mehr. Wir sind gespannt, was sich in der Zukunft tun wird.

Fahrradunfälle und die Unfallstatistik 2020 – Fazit

Insgesamt wird der Straßenverkehr Jahr für Jahr sicherer. Die steigende Anzahl an Radfahrern bedeutete jedoch auch eine Zunahme der Fahrrad Unfälle. Betrachtet man E-Bikes gesondert, bekommt besonders der Anstieg der Zahl tödlich Verletzter E-Biker ein hohes Gewicht.
Die meisten Unfälle kommen im Zusammenspiel von Auto und Fahrrad zustande. Dabei ist die Schuldfrage nicht immer eindeutig zu klären. Festzuhalten aber ist, dass die Voraussetzungen für sicheres Radfahren gerade in der Stadt nicht immer günstig sind.
Strukturelle Veränderungen, mehr Fahrräder statt Autos und eine gute Verkehrsführung können auch in Zukunft noch viel mehr Verletzte und sogar tote Radfahrer vermeiden. Doch auch jeder Einzelne ist gefragt: Gute Beleuchtungseinrichtungen, sichere und geprüfte Helme und eine vorausschauende Fahrweise sind für alle Fahrradfahrer Pflicht!

Quellen

  • Grafiken dürfen genutzt werden

    Alle Grafiken in diesem Beitrag sind selbst erstellt und dürfen unter der Creative Commons Lizenz verwendet werden. Wir freuen uns in diesem Fall über eine Nennung.

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