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Bandscheibenvorfall – darauf musst du beim Fahrradfahren achten!

Du bist begeisterter Fahrradfahrer, hast jedoch vor kurzem einen Bandscheibenvorfall erlitten und bist dir nicht sicher, ob du jetzt weiterhin unbedenklich Radfahren kannst? Dr. Heino Arnold, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit der Zusatzqualifikation Sportmedizin, beantwortet alle Fragen zu dem Thema. Außerdem hat er noch einige Tipps und Tricks, wie du nach einem Bandscheibenvorfall garantiert wieder schmerzfrei Radfahren kannst.

Fahrradfahren nach einem Bandscheibenvorfall – Das Wichtigste in Kürze

  • Wichtig: Die richtige Sitzposition

    Um nach einem Bandscheibenvorfall wieder schmerzfrei Fahrradfahren zu können, sollte der Sattel nicht höher sein als der Lenker. Besser ist noch darunter, was bei den meisten Nicht-Sport-Rädern üblicher Weise der Fall ist.

  • Sport-Fahrräder vermeiden

    Die Sitzposition auf dem Fahrrad darf nach einem Bandscheibenvorfall so wenig aufrecht und gestreckt sein wie möglich, um den Rücken nicht unnötig zu belasten. Deshalb sind sportliche Räder nicht das Richtige für Betroffene. Je ergonomischer desto besser!

  • RĂĽckenmuskulatur stärken

    Um die Bandscheiben zu entlasten hilft ein starker Rücken. Radfahren ist für die Stärkung des Rückens nicht der ideale Sport. Besser Rudern, Schwimmen oder Sportkombinationen.

Bandscheibenvorfall – Was ist das eigentlich?

Ein Bandscheibenvorfall, fachsprachlich auch Prolaps genannt, kann in der im Bereich der Lenden-, Brust- oder Halswirbelsäule auftreten. Dabei verrutscht die Bandscheibe und drückt auf die Nervenwurzeln, das Rückenmark oder das Nervenfaserbündel in der Lendenwirbelsäule. Das kann Rückenschmerzen, Gefühlsstörungen und sogar Lähmungen auslösen.
Bandscheibenvorfall – ist Radfahren noch möglich?

Beim Bandscheibenvorfall (Prolaps) drückt die beschädigte Bandscheibe auf den Spiralnerv und verursacht mitunter starke Schmerzen.

Ist das Radfahren nach einem Bandscheibenvorfall überhaupt noch möglich?

Gute Nachrichten: Nach Dr. Arnolds professioneller Einschätzung ist das Radfahren nach einem Bandscheibenvorfall auf jeden Fall noch möglich. Natürlich nur, wenn alle akuten Krankheitssymptome wirklich abgeklungen sind. Um den unteren Rücken nicht zu sehr zu belasten, muss aber einiges beachtet werden.

Sportliche Sitzhaltung vermeiden

Betroffene sollten nach einem Bandscheibenvorfall auf keinen Fall zu sportlich auf dem Fahrrad oder E-Bike sitzen. Das heißt, der Sattel sollte maximal auf Höhe des Lenkers sein, besser sogar darunter, damit man nicht zu gestreckt, sondern eher aufrecht auf dem Rad sitzt. Bei einer sportlichen Sitzhaltung wird besonders der untere Rücken, also die Lendenwirbelsäule, als auch die Halswirbelsäule, belastet und überstreckt. Das sollte nach einem Bandscheibenvorfall auf jeden Fall vermieden werden, meint Dr. Heino Arnold.
Bandscheibenvorfall – die richtige Position beim Fahrradfahren ist wichtig

Um Schmerzen beim Fahren mit dem Fahrrad nach einem Bandscheibenvorfall zu vermeiden, ist die richtige Sitzposition entscheidend.

Außerdem ist eine einseitige Beanspruchung, wie Fahrten auf „verblocktem“ Gelände, also Single-Trails und hochalpines Gelände sowie längere, kilometerlange Bergauffahrten nicht das Richtige für Vorerkrankte.

Tipps fĂĽr Prolaps Betroffene

Wenn du von einem Bandscheibenvorfall betroffen bist, solltest du dich vor dem Fahrradfahren auf jeden Fall bei einem Fachhandel beraten lassen. Dabei musst du auf jeden Fall auf die richtige Sitzposition, den passenden Sattel und die geeignete Rahmengeometrie achten.
Prinzipiell gilt: Auch nach einem Bandscheibenvorfall sollte regelmäßig Sport getrieben werden. Fahrradfahren untersützt viele Facetten wie Kondition, Beinmuskulatur, Herz-Kreislauf-System. Aber Fahrradfahren ist nicht ideal um seinen Rücken zu kräftigen. Wer seinen Rücken stärken will, sollte sich nach Empfehlung von Dr. Arnold eher an Rudern oder Schwimmen halten, oder verschiedene Sportarten verbinden.

Die richtigen Fahrradtypen und Zubehör für Betroffene

Vielleicht denkst du dir jetzt, dass E-Bikes das Richtige fĂĽr dich sind, wenn du nicht zu viel Belastung ausgesetzt sein darfst. Aber bei dem richtigen Fahrrad fĂĽr Betroffene eines Bandscheibenvorfalls kommt es nicht auf die Belastung durch den Antrieb an, sondern vor allem auf die Belastung durch eine zu gestreckte Sitzposition. Daher gilt nicht unbedingt der Fahrradtyp als ausschlaggebend, sondern ausschlieĂźlich die Sitzposition. Dennoch hat Dr. Arnold einen Rat:

Gravelbikes sind anderen Sporträdern vorzuziehen

Klassische Hollandräder sind grundsätzlich ideal, da sie eine aufrechte Position ermöglichen. Wer es aber sportlicher mag und auf das sportliche Fahrradfahren nicht verzichten möchte, für den sind Gravelbikes durch ihre Rahmenkonstruktion und den ergonomischen Sitz eine gute Wahl. Ein vollgefedertes Fahrrad bringt meist mehr Entlastungen als eine zusätzliche eingebaute Federung.
Viel wichtiger als eine Federung ist jedoch ein passender Sattel, auf dem du tatsächlich mit beiden Sitzbeinen aufsitzt. Bei der Ermittlung des passenden Sattel hilft der Fachhandel durch eine Messung im Geschäft.
Fahrräder mit Dämpfern am Hinterbau helfen dabei, Stöße abzufedern. Eine verbaute Federgabel entlastet den Oberkörper noch effizienter und hilft dabei, harte Stöße zu vermeiden.
Bei einem Crossbike muss dauerhaft Gewicht auf das Vorderrad verlagert werden, um sicher fahren zu können. Dadurch kommt es zu einer gestreckten Sitzhaltung – keine gute Idee!
  • Gut zu wissen

    Übrigens: Eine gefederte Sattelstütze oder auch eine Lenkerfederung verbessert nach Ansicht von Dr. Arnold nicht die Belastung auf die Wirbelsäule oder die Bequemlichkeit, sondern die Traktion im Gelände. Eine Sattelstütze kann Stöße vom Untergrund aufgrund der Bauart nur bedingt abfedern.

Radfahren nach einem Bandscheibenvorfall – zusammengefasst

Nach einem Bandscheibenvorfall gilt: nicht einfach wieder drauf los radeln. Jetzt gibt es ein paar Punkte zu beachten. Am wichtigsten ist die richtige Sitzposition auf dem Fahrrad.
Diese darf auf keinen Fall sportlich – gestreckt oder aufrecht – sein, da der heilende Bereich so zu sehr belastet wird. Das verhindert man, indem der Sattel auf der Höhe des Lenkers, oder bestenfalls darunter montiert wird.
Dr. Arnold rät neben der richtigen Sitzposition dringend zu einem passenden Sattel und einer geeigneten Rahmengeometrie. Lass dich dafür von einem Fachhandel beraten.
Außerdem gilt: Wenn das Rad sportlich genutzt werden soll, dann keine einseitige Beanspruchung durch extremes Gelände oder Bergauffahrten. Gravelbikes sind durch die ergonomische Rahmengeometrie besser für den Rücken geeignet. Außerdem helfen ein vollgefedertes Fahrrad, ein Dämpfer am Hinterbau und eine Federgabel.
Nach einem Bandscheibenvorfall ist also viel zu beachten, wenn du wieder Fahrradfahren willst. Jetzt bist du aber bestens informiert und es kann wieder losgehen. Statte doch trotzdem einem Fachhandel einen Besuch ab – so bist du auf der sicheren Seite. Viel Spaß beim Radeln!

Interviewpartner Dr. Heino Arnold

Zulassung für berufsgenossenschaftliche Heilbehandlung (D-Arzt). Ausgebildet zum Facharzt für Orthopädie sowie Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie u.a. in der Orthopädischen Universitätsklinik Erlangen am Waldkrankenhaus St. Marien und der Orthopädischen Universitätsklinik Ulm.
2019 gehörte Dr. Arnold, und damit nun zum vierten Male nach 2016, 2017 und 2018, zu den besten Ärzten Deutschlands laut dem Focus-Gesundheitsmagazin (Ausgaben Mai 2018, 2019 und 2016 sowie März 2017).
Zur Praxiswebsite von Dr. Arnold

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